Samstag, Juli 20, 2024
2024

Bericht zum Frühjahrskonzert

Auf hohem Niveau musizierte das Hauptorchester des Handharmonikaclubs „Schwarzwaldecho“ Hardt zusammen mit seinem Konzertpartner, dem Männergesangverein „Sängerlust“ Sulzbach beim Frühjahrskonzert 2024 in der Arthur-Bantle-Halle in Hardt. Unter der souveränen Leitung von Orchesterleiter Alexander Wassylenko und Chorleiterin Wassylenko gestaltete sich das abwechslungsreiche Doppelkonzert „Akkordeon meets Chor“ zu einem großartigen Erfolg. Mehr als 200 Zuhörer aus der Raumschaft waren in die Arthur-Bantle-Halle geströmt, um einen genussreichen Konzertabend zu erleben, bei dem sich Instrumentalmusik und Vokalmusik zu einem harmonischen Ganzen verbanden. Namens des gastgebenden Vereins begrüßte Vorstandssprecherin Birgit Fehrenbacher die Gäste, unter ihnen den Vorsitzenden des DHV-Bezirks Freudenstadt-Rottweil, Thomas Hug, der auch die Verbandsehrungen für drei verdiente HHC-Mitglieder durchführte. Mit dem Konzert wollten die Ausführenden den Zuhörern die Möglichkeit bieten, eine Auszeit zu nehmen aus dem Hamsterrad der Tagesereignisse und Kraft zu tanken für die Seele. 

Den ersten Konzertteil gestalteten mit sechs unterhaltsamen Chören die Konzertpartner aus Sulzbach. Der Vorsitzende Bernfried Haas begrüßte die Konzertbesucher und führte locker durch das Programm. Beim humorvollen Auftakt , dem Lied „Nette Begegnung“  von Oliver Gies, flogen beim flapsigen Small Talk die Bälle hin und her zwischen Tenor und Bass. Am Ende stellte sich heraus, dass man sein Gegenüber gar nicht wirklich kannte. Die Zuhörer merkten schnell, dass Chorleiterin Hettich ihre  stattliche Truppe durch exakte Zeichengebung und präzise Einsätze bestens im Griff hatte. Mit einem besinnlichen Chor von Manfred Bühler mit dem Titel „Zeit ist ein Geschenk“ setzte der Männerchor das Programm fort. Hier konnten die Sänger ihre Qualität bei sauberer Tongebung und guter Artikulation unter Beweis stellen. Unter den Stimmen herrschte ein homogenes Gleichgewicht, das vor allem im bewegten Mittelteil zum Tragen kam. Mit einem Solisten aus den eigenen Reihen konnte der Chor glänzen bei der Hommage an die Heimat nach Johannes Oerding. Stefan Kaut, der den Part mit ausdrucksvoller Tenorstimme und schöner Gitarrenbegleitung bravourös  meisterte, ließ das Original vergessen. In die Rolle des sehnsuchtsvoll nach oben blickenden Untengebliebenen schlüpfte der Chor samt Gitarrist beim Reinhard Mey-Chanson „Über den Wolken“, der mit viel Schwung interpretiert wurde. Dass die vielseitigen Sänger auch im Popgenre zuhause sind, bewiesen sie beim A- cappella-Popklassiker der Flying Pickets mit dem Titel „Only you“, der sehr tonsicher und dynamisch in englischer Sprache geboten wurde. Der Chor vermochte der Ballade eine gefühlvolle und romantische Note zu verleihen. Zum Schluss ließen die Männer das Lied „Ich wollte nie erwachsen werden“ von Rolf Zuckowski, bekannt aus dem Kinder-Musical „Tabaluga“ mit schönen Harmonien und Keyboardbegleitung erklingen. Der stürmische Applaus des Publikums erforderte eine Zugabe, die in Form eines von der Dirigentin umgetexteten Festbänkler-Liedes zu Ehren des Sulzbachtals gewährt wurde.

Den zweiten Konzertteil, bei dem Birgit Fehrenbacher sehr fachkundig moderierte, übernahm das 15-köpfige Hauptorchester des HHC Hardt unter dem Dirigenten Alexander Wassylenko aus der Ukraine. Schon beim ersten Werk, dem fesselnden  „Concerto d´Amore“ aus der Feder des niederländischen Komponisten Jacob de Haan,  demonstrierten die qualifizierten und wohlvorbereiteten Akkordeonisten, dass sie verschiedene Stilrichtungen wie Barock, Pop, Jazz und Swing beherrschten und unter der kompetenten Stabführung ihres musikalischen Leiters zu einem harmonischen Gesamtwerk zusammenführen konnten. Auf die wuchtigen Klänge zum Auftakt folgte eine beschwingte und tänzerische Melodie mit vielen Synkopen. Nach einem ruhigen Intermezzo kam eine pfiffige Passage mit frechen Akzenten und rasanten ausgelassenen Läufen, die von den virtuosen Spielern eine akrobatische Fingerfertigkeit verlangten.

Harmonie und Ordnung spiegelte sich im Allegretto aus dem Stück „Palladio“ von Karl Jenkins in einem Arrangement von Ronny Fugmann. Über einem Continuo von Stakkato-Klängen schien eine bis zum Fortissimo dynamisch anschwellende Akkordwelle heranzubrausen, die im Piano wieder verebbte.

Ein Medley bekannter Stücke von Antonie Vivaldi präsentierte das Orchester beim Titel „Classic Vivaldi goes Pop“ in einer Bearbeitung für Akkordeon-Orchester von Josef Retter. Die Zuhörer glaubten fast das originale Streichorchester zu hören, als die ersten flüssigen und geschmeidigen Läufe  ertönten, zart mit Schlagzeug begleitet. Immer neu entsprangen Sequenzen in rasantem Tempo. Mit kräftigem Stakkato erschien das Thema und ein Dialog zwischen Ober- und Unterstimmen entspann sich . Der unerschöpfliche Melodienreichtum enthielt auch Passagen aus den „Vier Jahreszeiten“. Leidenschaftlich und temperamentvoll ließen die versierten Spieler den Trepak aus der „Nussknacker-Suite“ von Tschaikowsky (Arr.: H.G.Kölz) erklingen. Hier kamen die tiefen Bässe des Elektroniums zum Tragen. Die Schellentrommel unterstützte den feurigen Rhythmus. Hingebungsvoll interpretierte das Orchester den „Rojo Tango“von Pablo Ziegler, der mit seiner melancholischen Melodik und seinen ekstatischen Eruptionen, gepaart mit straffen Stakkati und sehnsuchtsvollen Passagen  an die leidenschaftlichen Tangoschöpfungen von Piazolla  erinnerte, war der Komponist doch der legendäre Pianist des Astor Piazolla Quintetts.

Die Auswahl der Stücke hätte vielseitiger und inhaltsreicher nicht sein können. Eine weitere brillante  Steigerung im erlesenen Programm  stellte die Selection aus dem Musical „Les Misérables“ von Claude-Michel Schönberg dar. Schillernde Passagen mit heroischem Charakter wechselten mit lieblichen Klängen voller Süße und melodischer Schönheit. Mitreißend rhythmische Teile mit hartem Fortissimo, zackig und markant, lösten Legato-Partien mit weichem Charakter ab, entsprechend dem dramatischen Inhalt der Handlung voller Leidenschaft, Verrat und Hass. Das Solo der 1. Stimme wurde von Birgit Fehrenbacher virtuos interpretiert. In die Vollen ging das Orchester noch einmal beim  finalen Medley „Best of  Kenny Loggins“. Drei seiner bekanntesten Titel ließen Erinnerungen an die Hits der 80er Jahre aufklingen. Auf der Bühne herrschte Hochspannung mit  wuchtigen Akkorden, abrupten Akzenten und grellen Oberstimmen über waberndem Untergrund. Das Schlagzeug hielt die Stimmung bis zum Schluss am Kochen.

Der riesige Applaus der Zuhörer wurde belohnt durch eine Überraschung. Beim Schlager „Rote Lippen“, angestimmt vom Orchester ohne Dirigent,  stellten sich plötzlich die Sänger mit ihrer Dirigentin vor der Bühne auf und es kam zu einem gemeinsamen Abschluss mit dem Akkordeon-Orchester. Birgit Fehrenbacher bedankte sich am Ende des überaus gelungenen Konzerts namens des Vereins bei allen Akteuren und beim Publikum, besonders aber mit einem Geschenk  beim beliebten Dirigenten.  Sie selbst durfte für ihren großen Einsatz als Solistin, Orchestermitglied, Moderatorin und Organisatorin Blumen vom Geschäftsführer des Vereins, Herbert Fehrenbacher, entgegennehmen.

Von Antonie Anton